NEUES PROJEKT: TEDS-LT

1. AUSGANGSLAGE

Die bisherigen Großprojekte in der pädagogischen Forschung konzentrierten sich alle auf die Leistungen der Schülerschaft, bevorzugt in der 8./9. und in der 4. Klasse (Pisa, Desi, Iglu, Vera).

Um aber die Leistungen in der Schule zu verbessern, ist es dringend nötig, auch die fachwissenschaftlichen, didaktischen und pädagogischen Fähigkeiten der Studierenden zu untersuchen. Und genau das unternimmt ein neues Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wird. Ausgerichtet ist es auf die drei Langzeitfächer Deutsch, Englisch und Mathematik. 


2. KONSORTEN UND TERMINE

Das Projekt trägt das Akronym: TEDS-LT (Teacher Education Development Study-Learning to Teach), Sprecherin ist Sigrid Blömeke (HU-Berlin). 

Konsorten für das Fach Deutsch: Albert Bremerich-Vos (Duisburg-Essen) und Heiner Willenberg (Hamburg)         

für das Fach Englisch: Günter Nold (Dortmund) und Helga Haudeck, Jörg Kessler (Ludwigsburg)

für das Fach Mathematik: Gabriele Kaiser (Hamburg)

für die Empirie im Projekt: Knut Schwippert (Hamburg) (bis 2010 auch Rainer Lehmann, HU-Berlin)

In den Jahren 2008/09 wurden die Tests entwickelt und mehrfach pilotiert an insgesamt ca. 400 Studierenden. Die erste Hauptuntersuchung fand im Januar/Februar 2010 statt und testete 2000 Probanden (in Deutsch 804 Probanden) an sechs Standorten: Hamburg, HU-Berlin, Dortmund, Duisburg/Essen, Frankfurt (M), Ludwigsburg.

Die Testung der Masterstudierenden erfolgt zu Beginn des Sommersemesters 2011.



4. DIE INHALTLICHEN GRUNDLAGEN    

Grundlage sind die "Ländergemeinsamen inhaltlichen Anforderungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken in der Lehrerausbildung" der KMK aus dem Jahr 2008. Dort stehen für die Literaturwissenschaft u.a. folgende Kategorien:

- Literaturgeschichte mit Autoren, Werke bzw. Medien besonders des 20. Jahrhunderts

- Epochen der deutschen Literaturgeschichte

- Gattungen, Textsorten, Textformen  

 - Themen und Motive                                                                                      

 - Kinder- und Jugendliteratur                                                                                                                                                  

- Methoden der Textanalyse/Textinterpretation                                              

- Theorien zur Produktion und Rezeption literarischer und pragmatischer Texte

Dazu kommen die Anforderungen, ausbaufähiges und vernetztes Wissen zu erwerben.


3. Erste Ergebnisse

Im September 2010 wurden auf dem Symposion Deutsch-didaktik in Bremen die Ergebnisse der Studierenden am Ende der Bachelorphase vorgestellt.


Drei Tendenzen für die Bereiche Literaturwissenschaft und -didaktik seien kurz skizziert:

1. Gute Leistungen zeigten die BA-Studierenden in den Deutungen von Teilaspekten literarischer Texte.

2. Geringes Wissen legten sie in der gesamten Literaturgeschichte  und ihren Epochen bis hin zu Autoren und  Werken der Gegenwart an den Tag.

3. Die Fähigkeiten, unterrichtliche, methodische und didaktische bestimmte Situationen zu interpretieren, waren bei ihnen nur geringfügig vorhanden. 

Einschränkend muss gesagt werden, dass die Testung des dritten Punktes  komplex war und uns nicht immer wirklich gut gelungen ist. Die Nagelprobe für die Studierenden sowie für uns folgt in der Mastertestung.

Die schlechten Ergebnisse in den beiden erwähnten Bereichen des Tests führten zu zwei Diskussionsthemen: 

- Was ist nachhaltiges Lehren und Lernen?

- Und gibt die Engführungen der BA/MA-Studiengänge den Studierenden und Lehrenden zu wenig Raum für Lerngelegenheiten, um den Stoff bis zur sicheren und eigengesteuerten Anwendung zu vertiefen? Hier war durchgehend das Unbehagen an der politischen Vorgabe zu spüren


5. PROBLEME

a) Die Einführungen

Weitere Grundlagen für den Test waren v.a. auch die vorhandenen Einführungen in die jeweiligen Gebiete, hier also in die Literaturwissenschaft und die Literaturdidaktik. Dabei unterscheiden sich die Disziplinen gravierend: In der Germanistik sowie in ihren Untergebieten Literaturtheorie, Gattungslehre und Interpretationslehre dominieren Einführungsbücher, die immer wieder konzeptuelle Darstellungen mit ausgiebigen praktischen Beispielen vorführen. In der Literaturdidaktik fehlen solche Handbücher fast komplett, in denen Folgendes konkret vorgeführt wird: 

- Texteigenarten und ihren Leseanforderungen

 - Einordnung und Deutung von Schüleraussagen zu Texten und zu Aufgaben bzw. die kognitiven oder emotionalen Wirkungen von Aufgaben

- Transkripte unterrichtlicher Situationen und ihrer Deutungen: Welche Ziele werden mit welchen Mitteln angestrebt?  

b) Die KMK-Anforderungen

Es fällt auf, dass die Verzahnung von Wissen und Anwendung im KMK-Text weder für die Literaturwissenschaft noch für die Didaktik thematisiert wird. Wir werden uns besonders noch im Mastertest um diesen Aspekt bemühen und wir werden versuchen, ob wir trotzdem ein gestuftes Kompetenzmodell in beiden Lernbereichen etablieren können. 

c) Die Lehrpläne

Darüber hinaus werden wir analysieren, ob die beteiligten Universitäten ihre Studierenden wirklich mit der Breite der geforderten Themen unterrichten bzw. in der Kürze der Zeit unterrichten können: Derzeit kann man nach Sichtung der Ausbildungspläne nur sagen, dass es eine große Heterogenität der Ausbildungs-strukturen, der Studiengänge und der Belegpflichten gibt - so formuliert es auch Sigrid Blömeke, die Sprecherin des Projekts.


Die Publikation erfolgt im Frühsommer 2011

Sigrid Blömeke, Albert Bremerich-Vos, Helga Haudeck, Gabriele Kaiser, Rainer Lehmann, Günter Nold, Knut Schwippert & Heiner Willenberg (Hrsg.)

Kompetenzen von Lehrkräften in gering strukturierten Domänen

Testkonzeption und erste Ergebnisse zur Deutsch-, Englisch- und Mathematiklehrerausbildung